Luftbild von Stadtallendorf

Luftbild von Stadtallendorf, 1967

Luftbild von Stadtallendorf

Luftbild von Stadtallendorf, 1967

Lage der Stadt

Das Mittelzentrum Stadtallendorf mit ca. 21 500 Einwohnern liegt im Landkreis Marburg-Biedenkopf innerhalb des Regierungsbezirks Gießen. Stadtallendorf besitzt seit 1960 Stadtrechte und erlangte seine jetzige Größe im Zuge der kommunalen Gebietsreform durch Eingemeindungen der Gemeinden Erksdorf, Hatzbach, Niederklein, Wolferode und der Stadt Schweinsberg anfangs der siebziger Jahre. Im zweiten Weltkrieg wurden in Stadtallendorf zwei ausgedehnte Sprengstoffwerke errichtet. Mit den daraus resultierenden Altlasten hat die Stadt noch heute erhebliche Probleme zu bewältigen. Da die Produktionsgebäude während und nach dem Krieg unzerstört blieben, entwickelte sich in Stadtallendorf schnell eine Vielzahl von Betrieben, so dass Stadtallendorf sich rasch zum industriellen Schwerpunkt des Landkreises Marburg-Biedenkopf entwickelte und bis heute geblieben ist.

Aufgrund der guten Arbeitsmarktsituation war Stadtallendorf ein Zentrum von Migrationsbewegungen, angefangen von der Aufnahme von Flüchtlingen nach dem 2. Weltkrieg über Arbeitsimmigranten der 60er und 70er Jahre bis hin zu Aussiedlern aus Osteuropa.

Stadtstrukturen

Bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg war Stadtallendorf eine kleinbäuerliche Gemeinde mit 1500 Einwohnern. Zur Sicherung der Rüstungswirtschaft wurden auf fast 1000 ha zwei Sprengstoffwerke errichtet mit insgesamt 654 Gebäuden. Zeitweilig arbeiteten hier 25 000 Menschen. Diese Entwicklung führte jedoch nicht zur Ausbildung einer städtischen Struktur, da die gesamte Infrastruktur unter militärstrategischen Gesichtspunkten angelegt wurde.

Auch nach Beendigung der militärischen und dem Übergang zur zivilen Produktion, wurde der Verstädterungsprozess nicht nachgeholt. Die Einwohnerdichte liegt bezogen auf die Kernstadt unter 6 EW/ha. Neue Siedlungen wurden ohne die Herstellung von Bezügen innerhalb des Stadtraumes errichtet. Eine funktionale und räumliche Stadtmitte entstand nicht. Obwohl „harte“ Grenzen innerhalb der Stadt mit Ausnahme der industriellen Nutzungen nicht vorliegen, bildete sich eine insulare Struktur, in der die einzelnen Quartiere innerhalb des Stadtraumes „schwimmen“.

1974 wurde daher eine förmliche städtebauliche Entwicklungsmaßnahme beschlossen, um „das Herz einer lebendigen Stadtmitte zu bauen“. In drei Bauabschnitten wurden ein Marktplatz, Parkplätze, 10 000 qm Geschäftsfläche, eine Großsporthalle, ein Feuerwehrgerätehaus, weitere Geschäfts- und Praxenhäuser, ein Café sowie insgesamt 500 Wohnungen errichtet. Dazu kam die Stadthalle als Veranstaltungszentrum. Trotz dieser Anstrengungen setzte die gewünschte Zentrumsbildung nicht im erhofften Maße ein. Stattdessen existieren verschiedene Einkaufs- und Aufenthaltsschwerpunkte mit z.T. ethnisch spezialisiertem Angebotssortiment.

Die beschriebene städtebauliche Struktur der Inseln im Raum findet ihre Entsprechung in der städtischen Sozialstruktur. Die einzelnen Stadtquartiere bilden nicht nur städtebauliche Entwicklungsabschnitte, sondern auch die unterschiedlichen Migrationsphasen ab. Auf die diskontinuierliche Migration wurde den jeweiligen städtebaulichen Paradigmen entsprechend mit Entwicklungsmaßnahmen reagiert. Es entstand eine relativ schwach durchmischte Wohnstruktur.

Der durch die Globalisierung forcierte Strukturwandel in der industriellen Produktion hat auch in Stadtallendorf zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit mit all den dramatischen sozialen Folgeerscheinungen geführt. Diese Belastungen fokussierten sich erwartungsgemäß in bestimmten Quartieren, was die soziale und ethnische Segregation rasant beschleunigte. Die konzentrierte Belastung der Quartiere durch die abverlangten Integrationsleistungen für die Gesamtstadt überfordert die dort vorhandenen sozialen Nachbarschaften, die dadurch immer weniger in der Lage sind, Personen und Gruppen zu stabilisieren.

Projektbeschreibung

Ziel des Projektes „Soziale Stadt“ in Stadtallendorf ist es, der bestehenden und sich verstärkenden Verinselung auf baulicher, sozialer, ethnischer und wirtschaftlicher Ebene entgegen zu wirken und gesamtstädtische Strategien im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu entwickeln. Dadurch sollen Lebensbedingungen, Chancen und Perspektiven der Bewohnerinnen und Bewohner in Stadtallendorf verbessert werden.

Insofern zielt das Projekt auf die Gesamtstadt. Gleichwohl gilt es sich auf die Quartiere zu konzentrieren, in denen sich die beschriebenen Probleme akkumulieren. Durch ein integriertes Stadtteilentwicklungsprogramm sollen diese überforderten Stadtquartiere sozial und wirtschaftlich stabilisiert werden, um weiterhin ihren wichtigen Beitrag für die Gesamtstadt leisten zu können. Darüber hinaus sind städtebauliche, ökologische und bauliche Mängel in den Quartieren zu beseitigen.